Funken tut not – NZZ-Artikel vom 5. Februar 2011

Quelle: NZZ, 5. Februar 2011

Funken tut not

Die Amateurfunker präsentieren sich an der Muba 2011

Gerade im digitalen Zeitalter kommt dem Amateurfunk eine wichtige Rolle zu. Denn er kann sowohl lokal als auch weltweit jenseits von Mobilfunknetzen und Internet-Providern bestehen.

Perikles Monioudis, Basel

E-Mail, Facebook, Twitter und Skype stellen eine unschlagbar scheinende Art der kostengünstigen und rasend schnellen Kommunikation dar. Die Frage, weshalb heute noch gefunkt wird, mag müssig erscheinen. Was aber, wenn Mobilfunkanbieter und Internet-Provider – aus welchen Gründen auch immer – ausfallen? Die Amateurfunker können dann einen Teil des digitalen und analogen Informationsflusses gewährleisten.

Sprecherlaubnis für Besucher

An der Muba 2011 stellt sich die 1929 gegründete Union schweizerischer Kurzwellen-Amateure (Uska) mit einem an die klassische Moderne gemahnenden Stand dem Publikum vor. Der Verband der Amateurfunker konzentriert sich im Bestreben, vor allem jungen Leuten dieses Hobby näherzubringen, auf die wichtigsten Themenbereiche. Die jugendlichen Besucher erwartet ein Parcours mit sieben Aufgaben (Sprechfunkregeln, Morsen usw.), ein Wettbewerb sowie eine mit Informationsmaterial gefüllte Stofftasche mit dem Aufdruck «Ich werde Amateurfunker». Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat zudem für die auf Kurz- und Ultrakurzwelle sendende Uska-Station an der Muba das Spezialrufzeichen HB9MUBA bewilligt. Das Bakom hat dabei auch gleich die Sprecherlaubnis für Nichtamateurfunker erteilt, die unter der Aufsicht von Amateurfunkern an der Muba ein erstes Mal am weltweiten Funkverkehr teilnehmen dürfen.

Mit einem umgerüsteten Pinzgauer zeigt die Uska den zivilen Umgang mit dem Notfunk, der sich im Krisenfall bereits bewährt hat. «Die Antenne meines Nachbarn kann Leben retten», so Stefan L. Streif, Notfunk-Manager der Uska. Der Verband hat Flyer drucken lassen (als PDF hier erhältlich), etwa zur sogenannten Fuchsjagd, die eigentlich ein Orientierungslauf mit Empfänger und Richtantenne ist, bei dem die Schweizer Vertreter an den Welt- und Europameisterschaften oft vorn placiert sind. Auch zum Antennenbau, zum Thema Funk und Informatik, zum Selbstbau von Sendern und Empfängern, der sich heute wieder grosser Beliebtheit erfreut, können sich die Besucher im Gespräch mit Amateurfunkern informieren.

Bessere Karten im Beruf

«Wer sich das Hobby des Amateurfunks zu eigen macht, hat auch im Berufsleben die besseren Karten», sagt Uska-Vorstandsmitglied Willi Vollenweider. Die spielerische Verquickung von Informatik und Funk oder der auch internationale Bekanntenkreis können die Berufskarriere befeuern. Die Sektionen der Uska bieten mehrmonatige Kurse für angehende Amateurfunker an, darunter auch Morsekurse. In der Schweiz leben rund 4000 Amateurfunker, aus allen Bevölkerungsschichten und Berufen. Sie haben die staatliche Prüfung abgelegt und eine Konzession beantragt, bevor sie ihr Rufzeichen mit dem Landeskenner HB zugewiesen bekommen haben (in der Art von HB9BXQ oder HB3YYY). Zugang und Nutzung des «Äthers» sind weltweit streng reglementiert, handelt es sich doch bei dem Spektrum von der langen bis zu den extrem kurzen Wellen um eine kostbare natürliche Ressource. Der Amateurfunk wird nicht selten mit dem Jedermanns- oder CB-Funk verwechselt, den man konzessionsfrei auf ein paar wenigen Kanälen im 27-MHz-Bereich betreiben kann. Die CB-Geräte sind staatlich geprüft, während im Amateurfunk der Funker geprüft ist.

Auch die Königsdisziplin des Funkens, die Telegrafie, kommt am Uska-Stand nicht zu kurz. Das nur noch von Amateurfunkern betriebene Morsen erlebt eine Art Renaissance und gehört für Funker zu den schönsten Sprachen. Die Funkverbindungen von HB9MUBA werden von einem Sprecher erläutert und auf einem Grossbildschirm grafisch dargestellt. So kann das Publikum verfolgen, wohin HB9MUBA gerade sendet. Viele Amateurfunker weltweit wollen die Muba-Station erreichen. Eine bunte Bestätigungskarte für die Verbindung ist ihnen sicher.

JOTA/JOTI 2011 – We’ll be back!

Auch wenn das Jahr 2011 noch nicht begonnen hat, jetzt schon einen Termin fett, doppelt unterstrichen und mit Leuchtstift markiert eintragen: Samstag/Sonntag, 15./16. Oktober 2011!

Dann findet das JOTA/JOTI 2011 statt, das JOTA zum 54. Mal, das JOTI kann das 15jährige Bestehen feiern.

Und wenn wir schon beim Eintrag in die Agenda sind. Das JOTA/JOTI 2012 wird am Wochenende vom 20./21. Oktober über die Bühne gehen.

Natürlich senden wir auch dann aus dem heimischen Oberland. Google spuckt die sagenhafte Station der Pfadi Züri Oberland an dritte Stelle aus.

Ende gut, alles gut

Die Antenne ist in ihre Einzelteile zerlegt und verstaut worden, das Heim wieder in dem Zustand, wie wir es angetroffen haben, die Gesichter der Teilnehmenden strahlen Zufriedenheit aus und unsere Funker sind auf dem Weg zurück nach Bern.

Nun, alles hat sehr gut geklappt, und wo etwas nicht so recht gelingen wollte, haben wir erfolgreich improvisiert. 😉

Danke allen Helfern und Teilnehmenden, es war ein fantastisches JOTA/JOTI! 2011 sind wir wieder dabei. Garantiert!

Und lass uns ruhig schlafen …

Langsam macht sich Müdigkeit breit, wir räumen auf, schwatzen noch ein bisschen in der Küche, aber dann wird der grösste Teil von uns in den Schlafsack kriechen. Für einige Stunden wird Ruhe im Pfadiheim Effretikon einkehren, bevor wir wieder aktiv werden. Sicher ist, für Stille im Haus müssen wir nicht mit Klebeband nachhelfen. 😉